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Begegnungsstätte Heinrich Kunst

Das Haus wurde 1819 als kleines Zweiständerhaus im Stil des niedersächsischen Bauernhauses kurz nach Beginn der Erstbesiedlung Ofenerfelds errichtet und 1873 auf die heutige Größe erweitert. Es ist bis heute in wesentlichen Teilen kaum verändert worden. Bis ca. 1945 wurde das Haus als Räucherhaus genutzt. Es wurden darin Würste und Schinken im Rauch des offenen Herdfeuers geräuchert. Heute ist die spätere Ofenheizung durch eine Zentralheizung und das offene Feuer als offenes Kaminfeuer ersetzt. Beleuchtung, Fußböden und Innenwände wurden ebenfalls erneuert, die alte Stube mit dem gerollten Wandmuster wieder in die alte Zeit zurückversetzt. Die Diele mit ihren Viehständen unter der Hille wurde zu einem gemütlichen Raum gestaltet. Haushaltsgeräte, der Rest des alten Kinderwagens, eine alte Egge, das Ständerwerk und die Rauch gefärbten Deckenbretter weisen noch auf die frühere Nutzung hin.

Ab 1897 war das Haus im Besitz der Familie Kunst, welche die nur 4,7 ha kleine Hofstelle bewirtschaftete. 1905 wurde hier Heinrich Kunst geboren, der 1932 seine Frau Hanne geb Hedemann, heiratete und mit ihr über 60 Jahre in dem Haus lebte. Heinrich Kunst war Bauer. Seine Liebe galt aber schon früh der Schauspielerei in seiner Muttersprache, dem Plattdeutschen. Im ganzen norddeutschen Raum wurde er bekannt durch seine Tätigkeit als Volksschauspieler, davon über sechszig Jahre an der August Hinrichs-Bühne, durch sein Mitwirken in mehreren hundert Hörfunksendungen und in einer Reihe von Filmen. In allem verkörperte er die plattdeutsche Sprache.

Daneben war er fast 50 Jahre Ortsvorsteher für Ofenerfeld, viele Jahre im Gemeindekirchenrat der ev. luth. Kirchengemeinde Ofen, und wirkte Jahrzehnte in den örtlichen Vereinen und der Freiwilligen Feuerwehr. Seine Gradlinigkeit und Verlässlichkeit waren für viele Vorbild. Für seine allgemeinen Verdienste wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, für seine Verdienste um die niederdeutsche Sprache die hohe Auszeichnung des Ohnsorg-Preises. Die Gemeinde Wiefelstede ehrte Heinrich Kunst, in dem sie ihm als bisher einzigen Bürger die Ehrenbürgerwürde verlieh und noch zu Lebzeiten eine Straße nach ihm benannte.

Als Heinrich Kunst 1993 ein Jahr nach dem Tode seiner Frau verstarb, vererbte er die Hofstelle der Gemeinde Wiefelstede, die einen Teil der Ackerflächen als Bauland auswies, von einem Teil des Erlöses den Kindergarten Ofenerfeld errichtete und Pflege und Nutzung der Restfläche 1994 in die Hände des 1993 gegründeten Vereins Begegnungsstätte Heinrich Kunst e.V. übertrug.

Der Verein sanierte das stark baufällige Haus und seine Nebengebäude von 1994 bis 1996 mit großem ehrenamtlichen Einsatz seiner Mitglieder, finanzieller Unterstützung seitens der Gemeinde Wiefelstede, sowie aus EU-Mitteln. Seit der Eröffnung 1996 betreibt der Verein das Haus als Begegnungsstätte. Der Verein pflegt hier in Erinnerung an Heinrich Kunst in Veranstaltungen (Lesungen, Kamingespräche, Theatervorstellungen, Brauchtumsveranstaltungen) die plattdeutsche Sprache. Ferner finden hier Konzerte und Ausstellungen statt.

Zahlreiche Gruppen und Vereine aus der Umgebung nutzen das Haus regelmäßig. Haus, Nebengebäude und ca. 1 ha Außengelände mit Streuobstwiese und Bauerngarten werden vorwiegend von Mitgliedern in ehrenamtlicher Tätigkeit und finanzieller Unterstützung der Gemeinde Wiefelstede, Spenden und Mitgliedsbeiträgen gepflegt und unterhalten.

Übrigens: In der Begegnungsstätte Heinrich Kunst werden auf Wunsch Trauungen durchgeführt!

Eröffnung des Heinrich-Kunst-Hauses 17.08.1996


Vorstand Verein Begegnungsstätte-Heinrich-Kunst e.V. mit Ursula Hinrichs und Jürgen Hennings

v.l.n.r.: Herbert Klinger, Friedrich Rippen, Werner Mehrholz, Jürgen Hennings, Elfi Alt, Ursula Hinrichs (sitzend), Erwin Puls, Dieter Thierfeld (sitzend), Frerich Janssen, Helmut Warrelmann

 

Unterzeichnung Nutzungsvertrag zwischen Gemeinde Wiefelstede und Verein Begegnungsstätte-Heinrich-Kunst e.V. am 01. Juli 1994

v.l.n.r.: Dieter Thierfeld (Vorsitzender), Friedrich Rippen (stellv. Vorsitzender), Siegbert Hahn (stellv. Gemeindedirektor), Gerold Hellmers (Bürgermeister)